Populare Schriftzeugnisse

Populare Schriftzeugnisse

Populare Schriftzeugnisse, also "privates Schriftgut selbstzeugnisähnlichen Charakters" (Jan Peters), verfasst vor allem von im Schreiben weniger geübten Mitgliedern der Mittel- und Unterschichten, bilden unter der in Archiven, Bibliotheken und Museen verwahrten schriftlichen Überlieferung eine eher kleine Gruppe. Zu ihnen gehören unter anderem Notizbücher, Tagebücher, Erinnerungsberichte, persönliche Briefe, Familienchroniken, aber auch Kochrezepte und magische Sprüche, Gedichte und Lieder oder Schülerhefte. Im weiteren Sinne können auch Wirtschaftsunterlagen von Bauern und Handwerker, wie Hofbriefe, Wirtschaftsbücher oder Quittungsbüchern zu dieser Quellengruppe gerechnet werden.

Populare Schriftzeugnisse finden sich weniger in den großen Archivbeständen, die als amtliche Überlieferung, also durch Abgaben von Behörden, in die Archive gelangt sind, sondern stammen meist aus privater Hand und sind als Einzelstücke oder in kleineren Nachlässen in Museen und Archive gegeben worden. Viele Stücke befinden sich noch immer in Privatbesitz und sind der Forschung weitgehend unzugänglich. Dem steht gegenüber, dass es sich häufig um detailreiche und äußerst anschauliche Quellen handelt, die einen unmittelbaren Eindruck von Leben und Denken unserer Vorfahren vermitteln.

Bereits zu Beginn der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde in einem von der Volkswagenstiftung geförderten Projekt mit der systematischen Erfassung dieser Quellengruppe im Land Brandenburg begonnen. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Jan Peters übernahmen Veronika Siedt und Ingrid Edelberg die Aufgabe der Inventarisierung der ermittelbaren Quellen, deren Ergebnisse 2004 durch das Brandenburgische Landeshauptarchiv veröffentlicht wurden. In das Inventar aufgenommen wurden Schriften aus der Zeit vom 16. bis ins frühe 20. Jahrhundert aus Archiven und Museen sowie aus Privatbesitz. Allerdings wurden diese Quellen zwar zusammengestellt und beschrieben, aber nicht abgebildet.

Eine Auswahl aus den im Inventar beschriebenen Quellen konnte 2014 im Rahmen eines gemeinschaftlichen Projekts der Landesfachstelle für Archive und öffentliche Bibliotheken im Brandenburgischen Landeshauptarchiv und des Museumsverbandes für das Land Brandenburg mit Unterstützung der Koordinierungsstelle Brandenburg-digital und mit Förderung durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur digitalisiert und einem breiteren Publikum präsentiert werden. Es handelt sich dabei um Quellen aus den Bereichen Notizbücher, Tagebücher, Briefe, Hofbriefe, Rezepte und Magie sowie Sprüche und Lieder, die in insgesamt 18 Archiven und Museen im Land Brandenburg sowie dem Prignitz-Museum Havelberg verwahrt werden.

2016-10-13